Flüchtlinge

Woran machen Sie ihre Entscheidungen fest? Die meisten Menschen würden antworten, dass sie sich die Fakten anschauen und daraufhin ein Urteil fällen.  Die Linguisten Elisabeth Wehling hingegen behauptet, dass am Ende nicht Fakten, sondern sogenannte Frames ausschlaggebend für das sind, was wir denken.

Was sind Frames?

Jedes Wort, das wir hören oder lesen, aktiviert einen Frame in unserem Kopf. Das bedeutet wir assoziieren die Wörter mit bestimmten Erfahrungen, die wir gemacht haben. Je nachdem welche Erfahrungen wir gemacht haben, werden so unterschiedliche Emotionen geweckt.

Frames helfen uns Texte zu verstehen und Sachverhalte einzuordnen. Wir können gar nicht etwas lesen ohne Frames zu aktivieren. Dies bedeutet aber auch, dass wir uns durch Wörter stärker beeinflussen lassen, als durch Fakten. Meistens ist uns das aber gar nicht bewusst.

Frames in der Flüchtlingspolitik

Dass man Menschen mit Sprache beeinflussen kann, hat auch die Politik schon gemerkt. Wie das Framing dort genutzt wird, kann man sehr gut in der Flüchtlingspolitik sehen.

Schon allein das Wort „Flüchtling“, malt uns ein gezieltes Bild vor Augen. Wörter, denen ein „-ling“ anhängt, bezeichnen meistens eine Person, die man nicht sehr ernst nimmt. So wie man auch auf einen Schönling oder Schreiberling eher lächelnd herab schaut. Zudem sieht man bei dem Wort „“Flüchtling“ immer einen Mann vor sich, keine Frauen oder Kinder.

Verstärkt wird das negative Bild dann noch mehr, wenn Wörter wie „Flüchtlingsstrom“ fallen. Hierbei wird den Flüchtlingen das menschliche abgesprochen, stattdessen vergleicht man sie mit einer natürlichen Gewalt. Vor unseren Augen sehen wir die Massen von fremden Menschen die uns überrennen und wir verspüren den Drang uns vor dem „Strom“ zu schützen.

Und wie startet man ein „Refraiming“

Zunächst einmal ist es wichtig sich bewusst zu machen, dass Wörter uns manipulieren können. Also sollte man Begriffe nicht einfach in den eigenen Sprachgebrauch übernehmen, sondern hinterfragen, was für ein Frame dahinter steht und von wem dieser Begriff eigentlich kommt. Besonders Journalisten sollten sich immer genau überlegen, was für Wörter sie in ihren Texten verwenden möchten.

Zum anderen könnte man eine Gegenbewegung starten. Man übernimmt nicht die vorgefertigten Frames, sondern überlegt sich andere, treffendere Begriffe. Statt „Flüchtlingen“ könnte  man von „Menschen auf der Flucht“ reden , womit die Menschlichkeit geweckt wird und der Leser Mitgefühl für diese Personen entwickelt. Man benutzt also selber Frames, die die Wahrnehmung aber diesmal in eine positive Richtung lenken.

Wer noch mehr wissen will:das ganze Interview mit Elisabeth Wehling

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Latest Posts By Christina S.

    Kategorie

    Allgemein